#wmdedgt Dezember 2024

05.12.2024 #wmdedgt Depression privat on tour 6 Min.

Fünfter Tag des Monats heisst #wmdedgt bzw.: Was machst du eigentlich den ganzen Tag.

7:20 Uhr
Aufstehen, Kaffee, Kippe, Klo. Znüni für die Jüngste parat machen. Noch etwas Küche aufräumen und mich auf dem Weg nach Zürich begeben.

8:50 Uhr
Abfahrt, Umstieg in Stettbach, vor Ort noch schnell eine Bretzen holen, dann mit dem 12er Tram weiter in Richtung Leutschenbach.

9:50 Uhr
Ankunft am SRF Hauptgebäude. Nervosität hoch 100. Schnell noch eine rauchen, durchatmen, dann empfängt mich am Empfang Robin Rehmann. Ich hatte mich für seinen Podcast angemeldet. Ich folge ihm schon lange und fand mich in einigen der ausgestrahlten Folgen oft wieder. Er lässt Menschen offen über ihre Schicksale, über (seltene) Krankheiten, über Depressionen reden. Immer wieder spannend und super umgesetzt. Bei mir keimte der Gedanke, dort einmal auch zu sprechen schon lange. Heute war es dann endlich so weit.

Zu Besuch bei Robin Rehmann

10:15 Uhr
Wir sitzen im Aufnahmestudio. Robin tut wirklich alles, um mir meine Nervosität zu nehmen und schon bald fühle ich mich wohl vor dem Mikrofon und kann ganz offen alles raushauen, was mir auf dem Herzen liegt. Oft habe ich das Gefühl, abzuschweifen, weil es so viel zu erzählen gibt. Aber er lässt mich ausreden, fragt hier und da nach. Ein tolles Gespräch und schon bald ist die Stunde um. Ich hätte gerne noch ein wenig weitergeplaudert. Beim Gespräch gab es kleine Aha-Momente für mich. Vor allem bei der Frage nach dem Kinderwunsch. Da ist mir aufgefallen, dass es für mich nie eine Zeit gab, in der ich mir nicht vorstellen konnte, keine Kinder zu haben. Ich merke wie kraftvoll ich rede, merke, dass ich wirklich fühle, wie mein Trauma schon ein wenig kleiner geworden ist, dass ich auf gutem Weg bin, dass ich es schaffen werde. Auch wenn das noch ein wenig Zeit brauchen wird. Das Podcast-Gespräch war wirklich eine Art Therapiestunde für mich. Es hat so gut getan und ich bin mit breitem Grinsen und mega happy gegen halb 12 aus dem Studio zur Tram-Station gelaufen.

11:00 Uhr
Zwischenstopp in Stettbach. Jetzt aber fix einen Kaffee, bis der Zug kommt, dauert es noch ein paar Minuten.

11:35 Uhr
Umstieg in Winti. Grinse immer noch vor mich hin und fühle mich total beflügelt. Doch mir kommen seine Worte in den Sinn: Dass ich wahrscheinlich den Punkt erleben werde, dass ich es wie bereue, dass ich das Gefühl haben werde, über meine Mutter unrechtmässig abgelästert zu haben. Aber hey, das wäre dann genau das alte Stimmchen vom inneren Kritiker. Ich bin gewappnet.

13:00 Uhr
Wieder daheim. Zmittag essen und dann ein Nickerchen. Der Kater schmust sich an mich.

15:30 Uhr
Erneut gehts auf zum Bahnhof. Die Tochter und ich unternehmen einen Ausflug nach Winterthur. Quality time. In Winti steuern wir den neu eröffneten Søstrene Grene an. Einer meiner absoluten Lieblingsläden. Mussten bisher immer nach Züri, nun endlich auch näher. Die Tochter findet den Shop auch mega, kauft sich Weihnachtsdeko für ihr Kinderzimmer, ein paar Bastelutensilien und ich flippe fast aus, als ich einen Wollknäul-Weihnachtsbaumanhänger finde. Wir ziehen weiter zu Claire’s – unser Blingblingshop. Ich brauche noch weiteren Weihnachtsschmuck. Im Dezember flitze ich geschmückt wie ein Christbaum durch das Pflegeheim, alle haben Freude und ich eh. So wandern Ohrringe, Haarschmuck und Haarreifen in den Einkaufskorb. Im Flying Tiger gleich nebenan, wohlbemerkt auch einer unsrer Lieblingsläden kaufen wir noch etwas Deko-Shizzle und getrocknete Bananenscheiben. Kleine Stärkung zwischendurch. Im C&A sucht sich die Tochter eine neue Winterjacke aus und bleibt bei den Strickjacken stehen. Sie probiert einige an und entscheidet sich für die lila-farbene. Blau hätte mir besser gefallen, aber sie muss es tragen und soll entscheiden dürfen. Dinge, die mir in der Kindheit vergönnt waren. Da wurde gekauft ohne mich zu fragen, das hatte ich dann zu tragen. Umsomehr freut es mich, wenn sich dann an Tagen wie diesen meine Tochter wie eine Shopping Queen fühlen darf. Ich suche noch nach einem Weihnachtspulli, finde den aber erst später beim Chicoree. Wir laufen wieder Richtung Bahnhof, schauen bei Kiko wegen Nagellack und probieren ein paar Parfums.

17:35 Uhr
Endlich sitzen. Und in der Wärme. In 8 Minuten wird unser Zug in Richtung Tösstal uns nach Hause bringen. Im Zug spielen wir «ich sehe was, was du nicht siehst» – die Dame neben uns findet es amüsant.

17:56 Uhr
Fast daheim, nur noch vom Bahnhof nach Hause laufen. Die Tochter berichtet auf dem Heimweg vom Englisch-Unterricht und ich staune, wieviel sie schon auf Englisch sprechen kann.

18:15 Uhr
Der hungrige Kater begrüsst uns daheim als erstes. Chronische Fressdemenz. Einkäufe auspacken und versorgen. Kurze Hunderunde.

19:00 Uhr
Zeit fürs Znacht. Vom Mittag sind noch Spaghetti übrig, also werden die schön kross angebraten, ein paar Speckwürfeli noch dazu, Käse drüber. Fertig. Yummy.

19:30 Uhr
Telefonat mit bester Arbeitskollegin, erfahre, dass eine Lieblingsbewohnerin gestern Abend verstorben sei. Ich hatte es gestern bereits geahnt und konnte mich kurz vor meinem Feierabend noch verabschieden.

Rest vom Abend:
Knitflixen, meinen Pulli weiter stricken, später noch im Buch von Angela Merkel lesen und mit True Crime Podcast auf den Ohren einschlafen.

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